VERANSTALTUNGSARCHIV

Waldemar Rösler · Familienbildnis, 1912
Öl auf Leinwand · 89 x 119 cm
Stiftung Moritzburg Kunstmuseum des Landes
Sachsen-Anhalt, Foto: Klaus Göltz


 
 
15. Mai 2012
Berliner Künstlerleben
Ein Jahrhundert Berliner Künstlerleben in Briefen

 
Als 16jährige kommt die ostpreußische Gutsbesitzertochter Oda Hardt (1880-1965) nach Berlin. Sie wird Schülerin einer privaten Malschule und berichtet ihrer Mutter in zahlreichen Briefen über das Berlin der Jahrhundertwende: den Kaiser und die rege Bautätigkeit, den Dirigenten Joseph Joachim und den Schauspieler Adolf L’Arronge, die Ausstellung von Arnold Böcklin und die der russischen Realisten…

1906 heiratet sie den Maler Waldemar Rösler (1882-1916). Das Paar, seit 1907 Eltern der Zwillinge Louise (1907-1993) und Fritz (1907-1943), lebt in Lichterfelde. Waldemar Rösler gehört bald zu den erfolgreichsten Malern der Berliner Secession. Nach seinem Tod im Ersten Weltkrieg sieht sich die junge Witwe Oda Rösler über Jahrzehnte in der Verantwortung für das künstlerische Werk ihres Mannes und für die Existenzsicherung ihrer Kinder. In Berlin, Jena, Weimar, Bad Berka und wieder in Berlin führt sie eine rege Korrespondenz, die ihr Erleben von Novemberrevolution und Inflation, aber auch der Anfänge des Bauhauses und der schwierigen Lage des Kunstmarktes widerspiegelt. Sie berichtet in ihren Briefen über Begegnungen mit Walter Gropius, Paul Klee und Lionel Feininger. Ihr Bekanntenkreis reicht vom Reichsminister Hans von Raumer bis zum Jockey Franz Beaulieu.

Ab 1928 schreibt ihre Tochter Louise, die ebenfalls Malerin wird, an ihre Mutter: über Reisen nach Paris und Italien, über das karge Leben in der ersten gemeinsamen Berliner Wohnung mit ihrem Ehemann Walter Kröhnke (1903-1944). Beide sind in der Nazizeit verfemte Künstler, Walter Kröhnke wird als Wehrmachtssoldat 1944 als vermißt gemeldet.

Den Briefwechsel von Mutter Oda Rösler und Tochter Louise Rösler in der Nachkriegszeit dominiert die Sorge um das Überleben und um die Möglichkeit künstlerischer Produktivität. Bis kurz vor ihrem Tod ist Oda Rösler eine aktive Beteiligte und kenntnisreiche Kommentatorin der Berliner Kunstszene.

Der schriftliche Nachlass der Künstlerfamilie Rösler-Kröhnke umfaßt mehr als 10 000 Dokumente: Briefe, Karten, Urkunden, Fotos, Zeitungsausschnitte. Er ist ein Kompendium der Kunstentwicklung in Deutschland und vor allem der Alltagsgeschichte einer Künstlerfamilie in Berlin zwischen 1897 und 1991.

 
 
INFOS & LINKS
Dienstag 15. Mai | 18 Uhr
kommentierte Lesung
mit Frank Schröder, Historiker, Rostock

Begleitveranstaltung zur Ausstellung
Eine Berliner Künstlerfamilie


Für die Abbildung des Bildes von Waldemar Rösler Dank an die Stiftung Moritzburg.