VERANSTALTUNGSARCHIV

Kurt Wanski 1987 auf dem Gelände des Weißenseer St. Josefs Krankenhauses. Foto: Gerd Kroske


 
 
2 Juli 2015 | 20 Uhr
Kurt oder Du sollst lachen
Film | Gespräch

 
Ton/Buch/Regie: Gerd Kroske | Kamera: Michael Schaufert | Schnitt: Ingeborg Marszallek | Produktion: Sabine Lenkheit D, (DEFA-Studio für Dokumentarfilme GmbH), 1989/1992, s/w + Farbe, 16 mm, 30 Min.

Im Anschluss
Klaus Ferentschik, Jürgen Köhler, Gerd Kroske, Achim Niemann und Georg Schönharting im Gespräch.
Moderation: Kathleen Krenzlin

Kurt Wanski (1922-2012) war in (Ost)Berlin eine prominente Person. Man traf ihn regelmäßig auf der Straße, zumeist war er gut angezogen und bunt geschmückt, er spielte Mundharmonika und ging seiner Zeichenleidenschaft ebenso wie der für das Sammeln nach. Sein Leben verbrachte er in Heimen, Gefängnissen, psychiatrischen Anstalten und Krankenhäusern. 1985 lernte Gerd Kroske an der (allen Ostberlinern wohlbekannten) Protokollstrecke in Berlin-Weißensee Kurt Wanski kennen, als dieser zum Vorbeizug der Regierungsfahrzeuge den Preußischen Grenadiermarsch auf der Mundharmonika spielte. Er wurde von Sicherheitsleuten weggeführt und Gerd Kroske folgte. Bald darauf saßen die beiden im Tasso-Eck beim Kaffee. Kroskes Weißenseer Wohnung wurde von nun ab auch zur Dependance für Wanskis gesammeltes Gerümpel. Der Film beginnt um den 7. Oktober 1989. Die Kamera wurde beim Berliner Modeinstitut beschafft und das 16 mm Material abgezweigt. Erst 1992 konnte der Film - wegen der lange fehlenden Drehgenehmigung für das Krankenhaus - fertig gestellt werden.

Gerd Kroske wurde 1958 in Dessau geboren, lernte den Beruf eines Betonwerkers und arbeitete als Telegrammbote, um schließlich Kulturwissenschaften an der Humboldt Universität zu Berlin und Regie an der HFF Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg zu studieren. Nach seinem Studium arbeitete er als Autor und Dramaturg im DEFA Dokumentarfilmstudio, eigene Regiearbeiten entstanden ab Herbst 1989. Seit 1991 ist Gerd Kroske als freischaffender Autor und Regisseur, Juror und Lehrerbeauftragter für Film tätig. Er erhielt zahlreiche Stipendien und Preise. 2013 zeigten wir hier seinen 2012 mit der Goldenen Taube beim DOK-Leipzig ausgezeichneten Film über Heino Jaeger: look before you kuck. Gerd Kroske lebt in Berlin.


Im Anschluss Klaus Ferentschik, Jürgen Köhler, Gerd Kroske, Achim Niemann und Georg Schönharting im Gespräch. Moderation: Kathleen Krenzlin

Klaus Ferentschik studierte an der Universität Wien, wo er über das Theater im Tollhaus promovierte. Nach jahrelangen Recherchen hat er seine Biographie über Friedrich Schröder-Sonnenstern vorgelegt.

Jürgen Köhler studierte Verkehrsbauwesen in Dresden, war als Bauingenieur und Ausstellungstechniker tätig und studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee Malerei. 1985 lernte er in Berlin-Weißensee Kurt Wanski kennen, um dessen Werk er sich fortan bemühte und dem er bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden blieb.

Achim Niemann absolvierte ein Pädagogikstudium an der Humboldt Universität zu Berlin, war einige Jahre als Lehrer und in anderen Berufen tätig und studierte Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Seit 1994 arbeitet er mit Menschen mit Behinderungen, seit 1998 leitet er den Zeichenkurs im Wohnheim Maria Frieden.

Georg Schönharting ist in Adelaide/Australien geboren und besuchte die Fotofachhochschule Samsø in Dänemark. Er absolvierte eine fotografische Ausbildung im Lette-Verein in Berlin. Seit 1993 ist er als freiberuflicher Fotograf und Filmemacher tätig. 2014 entstand sein Film
Eine ganz normale WG, der vom gemeinsamen Leben sechs verschiedener Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen erzählt.

Kathleen Krenzlin leitet seit 1993 die Galerie Parterre Berlin und die Kunstsammlung Pankow, die 2013 den Nachlass von Kurt Wanski übernahm. Gemeinsam mit Joachim Böttcher, Michael Kain, Jürgen Köhler und Achim Niemann kuratierte sie die aktuelle Ausstellung und 2005 die Ausstellung In anderen Wahrheiten an diesem Ort.

 
 
INFOS & LINKS
Donnerstag,
2. Juli 2015
20 Uhr

Eintritt: 3/1 EUR