VERANSTALTUNGSARCHIV

aus der handschriftlichen Partitur von Hermann Keller


 
 
26. Mai 2016 | 20 Uhr
Ihr sollt die Wahrheit erben
Uraufführung der Komposition von Hermann Keller
für sprechende Cellistin nach dem gleichnamigen Buch
von Anita Lasker-Wallfisch
mit Constance Ricard (Violoncello)
in Anwesenheit der in London lebenden Musikerin und Autorin Anita Lasker-Wallfisch

 
Hermann Keller schrieb sein Stück als eine Hommage an die in London lebende Cellistin Anita Lasker-Wallfisch. Seit langer Zeit bemüht er sich um die Uraufführung in Anwesenheit der Künstlerin, die nun von der Galerie Parterre Berlin in Zusammenarbeit mit dem Berliner Kabinett e.V. realisiert werden konnte.

Im Anschluss: Anita Lasker-Wallfisch, Hermann Keller und Peter Petersen im Gespräch.

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Biographische Informationen:

Anita Lasker-Wallfisch wurde 1925 als jüngste von drei Töchtern des deutschen Rechtsanwalts Alfons Lasker und der Geigerin Edith Lasker in Breslau geboren. Sie ist eine der letzten Überlebenden des sogenannten »Mädchenorchesters von Auschwitz«. Ihre älteste Schwester Marianne konnte Ende 1939 nach England in Sicherheit gebracht werden, 1942 wurden Lasker-Wallfischs Eltern deportiert und ermordet. Gemeinsam mit ihrer Schwester Renate versuchte Anita Lasker-Wallfisch, mit Hilfe gefälschter Pässe nach Frankreich zu entkommen. Beide wurden verhaftet und nach Gefängnisstrafen ins KZ Auschwitz deportiert. Anita wurde als Cellistin und Renate als Notenwart Mitglied im Lagerorchester. Im November 1944 wurden die Schwestern ins KZ Bergen-Belsen verlegt und dort am 15. Ap­ril 1945 von britischen Truppen befreit. Wenige Monate später trat Anita Lasker-Wallfisch im »Lüneburger Prozess« als Zeugin auf. 1946 wanderte sie nach Großbritannien aus und wurde Mitbegründerin des Londoner English Chamber Orchestra. Dort spielte sie bis 2000 als Cellistin. 1994 besuchte sie zum ersten Mal wieder Deutschland. Anita Lasker-Wallfisch lebt in London.

Hermann Keller wurde 1945 in Zeitz geboren. Er studierte in Weimar Komposition bei Johann Cilenšek und Klavier bei Ingeborg Herko­mer. Seit 1971 arbeitet er regelmäßig mit Jazzmusikern zusammen. Sein Berliner Improvisations-Quartett bzw. -Trio erreichte internatio­nale Bekanntheit. Seit 1981 ist Hermann Keller freischaffend als Kom­ponist, Pianist und Improvisationsmusiker tätig. Seine Kompositionen wurden u. a. im Gewandhaus zu Leipzig, im Künstlerhaus Boswil, bei der Musikbiennale Berlin, den Berliner Festwochen, der Klangwerk­statt Mannheim, dem MDR Musiksommer, dem Ultraschall-Festival Berlin und den Rheinsberger Musiktagen aufgeführt. Zu den Inter­preten seiner Werke zählen das Sinfonieorchester Jena, die Hallische Philharmonie, das Ensemble Modern, das KNM Berlin, das ensemble mosaik, das modern art sextet sowie Heinz Holliger, Steffen Schleier­macher, Ingo Metzmacher und Vinko Globokar. Hermann Keller lebt in Berlin.

Constance Ricard wurde 1985 in Paris geboren. Sie hat am Conser­vatoire Supérieur de Paris in der Celloklasse von Marc Coppey und in der Kammermusikklasse des Quatuor Ysaÿe sowie bei Paul Meyer und Eric Le Sage studiert und später an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig bei Professor Peter Bruns. 2008 und 2009 war sie Solo-Cellistin des Internationalen Orchesterinstituts Attergau, Öster­reich. Außerdem entwickelte Constance Ricard schon früh ein beson­deres Interesse für Kammermusik und gründete 2009 in Leipzig das Calaf Trio. Seit 2014 ist Constance Ricard Stipendiatin des Vereins Live Music Now in Berlin. Constance Ricard lebt in Berlin.

Peter Petersen, geboren 1940, ist emeritierter Professor für Musikwis­senschaft an der Universität Hamburg. Er studierte Schulmusik, Ger­manistik und Historische Musikwissenschaft. 1971 wurde er mit der Arbeit Die Tonalität im Instrumentalschaffen von Béla Bartók promo­viert. 1981 habilitierte er sich mit der Schrift Alban Berg: Wozzeck. Eine semantische Analyse (Musik-Konzepte München 1985). Peter Petersen ist Mitbegründer des Hamburger Jahrbuchs für Musikwissenschaft (Peter Lang Verlag), Herausgeber der Schriftenreihe Musik im »Drit­ten Reich«und im Exil (von Bockel Verlag) sowie Mitherausgeber des Online-Lexikons verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit (www.lexm.uni-hamburg.de). 2001 ehrte ihn die Universität Ham­burg mit dem Peter-Fischer-Appelt-Preis für besondere Leistungen in der akademischen Lehre. Peter Petersen lebt in Hamburg.

 
 
INFOS & LINKS
26. Mai 2016 | 20 Uhr

Das Stück von Hermann Keller
hat eine Spielzeit von etwa
60 Minuten.
Nach einer kurzen Umbaupause
folgt das Gespräch.

Eintritt 3/1
Bitte beachten Sie: Die Galerie hat eine begrenzte Anzahl von Sitzplätzen.